Liebe

Die Kinder wünschten sich abends noch, am Hl. Abend in meinem Bett zu schlafen. Beide. Bianca passte dank der Bettbreite noch in das Bett, aber für mich blieb nur die Couch.

Und als ich (zugegebenermaßen später als gedacht) Heim kam, fand ich eine schön vorbereitete Schlafcouch mit zwei Bären vor:

Sie liebt mich ❤️

Eine kleine Weihnachtsgeschichte

Aber dafür wahr.

Mitte November

Ronja, 7 Jahre alt, fängt an, das Christkind zu hinterfragen. Ob das nicht doch die Eltern sind und es kein Christkind gibt. Und überlegt, wer wann wo vor der Bescherung war.

Ronja: „Das warst Du, Papa! Du warst nie bei mir!“

Ich: „Das enttäuscht mich sehr! Ich war immer beim Warten bei Dir und bin mit Dir von einem Zimmer ins andere gelaufen, um auf alle Seiten raus zu schauen!“

Stimmt ja auch.

Anfang Dezember

Beim Frisör wird Ronja gefragt, ob sie sich auf Weihnachten freut.

Ronja: „Ja. Aber ich glaub, dass Mama und Papa das Christkind sind.

Frisörin: „Das glaubte ich als Kind auch. Aber jetzt weiß ich es besser: Jetzt bin ich selber eine Mama und weiß, dass es das Christkind gibt. Manchmal müssen die Eltern nur helfen, beispielsweise beim Wunschzettel schreiben.“

Ein paar Tage später

Ronja: „Also Papa, wenn ihr alle an Weihnachten in meinem Zimmer seid, dann glaube ich an das Christkind! Du und Mama und Linus und Opa.“

Ich: „Ok, dann machen wir das so. Aber unter einer Auflage: Du gehtst als Letzte hoch in Dein Zimmer und als Erste wieder runter. So weißt Du ganz bestimmt, dass es niemand von uns sein kann. Und das verspreche ich Dir.“

Abends, als die Kinder im Bett sind:

Bianca: „Wie wollen wir das machen? Wer soll das machen? Das schaffen wir doch gar nicht. Alle Nachbarn und Freunde haben selbst Bescherung oder sind  nicht da.“

Ich: „Wir fragen Knopfauge ob er sich darum kümmert.“

Knopfauge, unser großer gemütlichter Eisbär, nickt grinsend. Aufgabe erledigt.

Mitte Dezember

Ronja: „Ich bin schon so gespannt auf das Christkind. Und ihr müsst alle oben sein. Auch Fliegerbär und Ike!“

Ich: „Und Deine beiden Pferde.“

Ronja:„Aber Papa! Die beiden Pferde sind doch nur Stofftiere!“

Ich: „Ja. Aber da, wo sie jetzt stehen, soll doch der Christbaum hin. Und ohne Christbaum keine Geschenke.“

Ronja nickt verstehend.

23. Dezember

Ronja: „Papa, Ihr müsst morgen gar nicht zu mir ins Zimmer. Ihr dürft auch unten im Wohnzimmer sein.

Ich: „Doch, wir sind alle bei dir im Zimmer. Versprochen ist versprochen.“

Ronja: Ach, in der Schule hält sich keiner an ein Versprechen. Das passt schon.“

Ich: „Nein, das passt nicht. Wenn man etwas verspricht, dann hält man das auch. Und dass sich in der Schule keiner daran hält, finde ich sehr schade. Und wir werden alle in Deinem Zimmer sein.

24. Dezember

Nach der Kinderchristmette sperre ich die Haustür auf. Ronja ist ganz aufgeregt und läuft sofort ins Wohnzimmer – und stellt fest, dass keine Geschenke unter dem Christbaum liegen. Erleichtert erzählt sie, dass eine Freundin ihr zuflüsterte, dass die Eltern während der Kinderchristmette die Geschenke unter den Baum legen und es daher gar kein Christkind gibt.

Kurz darauf legt sie fest, in welcher Reihenfolge wir in ihr Zimmer gehen sollen, folgt uns als letzte und schliesst die Tür. Ich öffne diese nochmals.

Ronja: „Nein, Papa! Du musst da bleiben!“

Ich: „Bleibe ich auch. Schau, ich mache nur das Licht im Treppenhaus aus, bleibe aber im Zimmer hier.“

Wir sitzen in ihrem Zimmer, singen und hören der Geschichte zu, die Ronja vor liest. Sonst höre ich nichts.

Warten Weihnachten
Linus, Calvin und Ike

Nach nicht allzu langer Zeit ertönt ein Gong. Ronja schaut auf und fragt: „War das Dein iPhone?“

Ich: „Nein, das kam doch ganz eindeutig aus dem Wohnzimmer und nicht aus diesem Raum hier.“

Ronja nickt erleichtert, dreht sich um und liest weiter die Geschichte vor. Zum Erstaunen von uns allen.

Bianca: „Wollen wir nicht runter gehen? Und Du voran, Ronja?“

Und so gehen wir, Ronja schleicht als letztes das Treppenhaus hinunter. Und bleibt auf der Mitte der Treppe mit offenem Mund und einem leisen, aber tiefen Seufzer stehen. Die Lichter brennen am Christbaum und Geschenke liegen davor. Dann schreit sie und läuft hinunter, schaut sich den Baum mit großen Augen an und ruft dann durch das gekippte Fenster nach draussen: „Danke, liebes Christkind!“

Diese kindliche, tiefe und ehrliche Begeisterung für das Christkind. Mit einer der schönste Momente im Jahr.

Warten

Ronja weckt uns um kurz vor sechs Uhr Morgens: „Mama, ist das schon das richtige Dunkel fürs Christkind?“

Wir hören wie eine Jalousie geräuschvoll geöffnet wird. Kurz darauf teilt uns Ronja mit, dass ihr Wunschzettel verschwunden – Pardon, vom Christkind abgeholt wurde.

Das dritte Mal wurden wir geweckt, als uns beide Kinder zeigten, was in ihren Adventskalendern war.

Das Warten könnte anstrengend werden.