Warum es mal wieder länger dauerte

Früher Morgen. Erstaunlicherweise sind unsere Kinder bereits wach (an einem Schultag!). Ich geh in die Dusche.

Linus: „Papa, ich erzähl Dir mal einen Witz. Pass auf. In einem Flugzeug …“

So geht es drei Witze lang. Dann geht er und ich mache endlich die Dusche an.

Ronja: „Papa, ich will Dir auch einen Witz erzählen. Geht eine Frau mit ihren beiden Hunden – Papa, Du musst die Dusche ausmachen! Sonst hörst Du mich ja nicht!“

Zwei Witze später konnte ich dann Duschen.

Frühstück.

Linus: „Papa, ein Rätsel: Du wirst bei Nacht gejagt und kommst in einen Raum mit zwei Türen. Hinter einer ist ein mit Sonnenlicht betriebener Laser und hinter der anderen zwei Ninjas, die Dich mit 95 %iger Wahrscheinlichkeit töten werden. Durch welche Tür gehst Du?“

Die Antwort war klar, zum Essen kam ich trotzdem nicht.

Linus: „Ich komme in einen Raum mit zwei Türen. Hinter einer ist eine Gang, die mich verprügeln wird, hinter der anderen die Polizei, die jeden Erwachsenen erschiesst. Durch welche Tür soll ich gehen und warum?“

Beantwortet und Gegenfrage gestellt: „Ich komme in einen Raum, in dem Mama, Louis Hofmann und Cameron Díaz sind. Mit wem geh ich heim?“

Linus: „Mit allen dreien.“

Immerhin fällt er auf meine Fragen genauso nicht rein wie ich auf seine. Aber jetzt freue ich mich auf meinen Arbeitstag.

Säufer

Einkaufen.

Auf der Liste steht u. a. Zuckerhut und Wein für eine Feuerzangenbowle.

Ich lege 5 Flaschen Wein mit je 0,7 l Fassungsvermögen für 11 Erwachsene in den Einkaufswagen.

Ronja: „Sauft ihr wieder?“

Wir werden uns bei diesen Mengen gnadenlos die Kante geben. Und danach nach diesen Blicken der Verkäuferinnen ein anderes Geschäft zum Einkaufen suchen.

Feuerzangenbowle

Eine kleine Weihnachtsgeschichte

Aber dafür wahr.

Mitte November

Ronja, 7 Jahre alt, fängt an, das Christkind zu hinterfragen. Ob das nicht doch die Eltern sind und es kein Christkind gibt. Und überlegt, wer wann wo vor der Bescherung war.

Ronja: „Das warst Du, Papa! Du warst nie bei mir!“

Ich: „Das enttäuscht mich sehr! Ich war immer beim Warten bei Dir und bin mit Dir von einem Zimmer ins andere gelaufen, um auf alle Seiten raus zu schauen!“

Stimmt ja auch.

Anfang Dezember

Beim Frisör wird Ronja gefragt, ob sie sich auf Weihnachten freut.

Ronja: „Ja. Aber ich glaub, dass Mama und Papa das Christkind sind.

Frisörin: „Das glaubte ich als Kind auch. Aber jetzt weiß ich es besser: Jetzt bin ich selber eine Mama und weiß, dass es das Christkind gibt. Manchmal müssen die Eltern nur helfen, beispielsweise beim Wunschzettel schreiben.“

Ein paar Tage später

Ronja: „Also Papa, wenn ihr alle an Weihnachten in meinem Zimmer seid, dann glaube ich an das Christkind! Du und Mama und Linus und Opa.“

Ich: „Ok, dann machen wir das so. Aber unter einer Auflage: Du gehtst als Letzte hoch in Dein Zimmer und als Erste wieder runter. So weißt Du ganz bestimmt, dass es niemand von uns sein kann. Und das verspreche ich Dir.“

Abends, als die Kinder im Bett sind:

Bianca: „Wie wollen wir das machen? Wer soll das machen? Das schaffen wir doch gar nicht. Alle Nachbarn und Freunde haben selbst Bescherung oder sind  nicht da.“

Ich: „Wir fragen Knopfauge ob er sich darum kümmert.“

Knopfauge, unser großer gemütlichter Eisbär, nickt grinsend. Aufgabe erledigt.

Mitte Dezember

Ronja: „Ich bin schon so gespannt auf das Christkind. Und ihr müsst alle oben sein. Auch Fliegerbär und Ike!“

Ich: „Und Deine beiden Pferde.“

Ronja:„Aber Papa! Die beiden Pferde sind doch nur Stofftiere!“

Ich: „Ja. Aber da, wo sie jetzt stehen, soll doch der Christbaum hin. Und ohne Christbaum keine Geschenke.“

Ronja nickt verstehend.

23. Dezember

Ronja: „Papa, Ihr müsst morgen gar nicht zu mir ins Zimmer. Ihr dürft auch unten im Wohnzimmer sein.

Ich: „Doch, wir sind alle bei dir im Zimmer. Versprochen ist versprochen.“

Ronja: Ach, in der Schule hält sich keiner an ein Versprechen. Das passt schon.“

Ich: „Nein, das passt nicht. Wenn man etwas verspricht, dann hält man das auch. Und dass sich in der Schule keiner daran hält, finde ich sehr schade. Und wir werden alle in Deinem Zimmer sein.

24. Dezember

Nach der Kinderchristmette sperre ich die Haustür auf. Ronja ist ganz aufgeregt und läuft sofort ins Wohnzimmer – und stellt fest, dass keine Geschenke unter dem Christbaum liegen. Erleichtert erzählt sie, dass eine Freundin ihr zuflüsterte, dass die Eltern während der Kinderchristmette die Geschenke unter den Baum legen und es daher gar kein Christkind gibt.

Kurz darauf legt sie fest, in welcher Reihenfolge wir in ihr Zimmer gehen sollen, folgt uns als letzte und schliesst die Tür. Ich öffne diese nochmals.

Ronja: „Nein, Papa! Du musst da bleiben!“

Ich: „Bleibe ich auch. Schau, ich mache nur das Licht im Treppenhaus aus, bleibe aber im Zimmer hier.“

Wir sitzen in ihrem Zimmer, singen und hören der Geschichte zu, die Ronja vor liest. Sonst höre ich nichts.

Warten Weihnachten
Linus, Calvin und Ike

Nach nicht allzu langer Zeit ertönt ein Gong. Ronja schaut auf und fragt: „War das Dein iPhone?“

Ich: „Nein, das kam doch ganz eindeutig aus dem Wohnzimmer und nicht aus diesem Raum hier.“

Ronja nickt erleichtert, dreht sich um und liest weiter die Geschichte vor. Zum Erstaunen von uns allen.

Bianca: „Wollen wir nicht runter gehen? Und Du voran, Ronja?“

Und so gehen wir, Ronja schleicht als letztes das Treppenhaus hinunter. Und bleibt auf der Mitte der Treppe mit offenem Mund und einem leisen, aber tiefen Seufzer stehen. Die Lichter brennen am Christbaum und Geschenke liegen davor. Dann schreit sie und läuft hinunter, schaut sich den Baum mit großen Augen an und ruft dann durch das gekippte Fenster nach draussen: „Danke, liebes Christkind!“

Diese kindliche, tiefe und ehrliche Begeisterung für das Christkind. Mit einer der schönste Momente im Jahr.

Warten

Ronja weckt uns um kurz vor sechs Uhr Morgens: „Mama, ist das schon das richtige Dunkel fürs Christkind?“

Wir hören wie eine Jalousie geräuschvoll geöffnet wird. Kurz darauf teilt uns Ronja mit, dass ihr Wunschzettel verschwunden – Pardon, vom Christkind abgeholt wurde.

Das dritte Mal wurden wir geweckt, als uns beide Kinder zeigten, was in ihren Adventskalendern war.

Das Warten könnte anstrengend werden.

Volti

Heute war auch noch die „Weihnachtsfeier“ beim Voltigieren. Die Kinder konnten den Eltern dabei zeigen was sie alles gelernt haben und nun beherrschen, während die Erwachsenen Punsch tranken und Lebkuchen futterten.

Bei uns kam leider hinzu, dass es für Ronja das letzte Mal Voltigieren wurde – neben Reiten und Pfadfinder wurde es ihr zu viel, die schulische Leistungen ließen nach und sie selbst beschwerte sich mehrmals, dass sie kaum mehr Zeit für ihre Freundinnen hat.

Schön war es trotzdem ihr bei ihrer Vorführung zu zu schauen wie sie die Kunstfiguren auf dem Pferd vollführte, während dieses sich in verschiedenen Geschwindigkeiten bewegte.

Einreiten

Und wie viel ihr Pferde bedeuten konnte jeder sehen wenn sie selbst den Pferdemist weg räumte – Hauptsache jede Minute bei ihren geliebten Pferden.

Freudscher Versprecher?

In Ronjas Klasse, ebenerdig gelegen, ist heute Projektvorstellung für die Eltern. Begeistert sitzen die Kinder und einige Eltern in der Klasse, lauschen der Sterntaler-Geschichte, basteln und spielen die Geschichte nach.

Irgendwann klopft jemand von draußen an das Glas, lacht durchs Fenster rein und geht weiter.

Lehrerin: „Ihre Frau?“

Ich: „Nein, mein Mann.“

Hätte eigentlich „mein Sonnenschein“ heißen sollen, aber immerhin ist niemand hyperventilierend vom Stuhl gefallen.